Bodenständig ist die sardische Küche, unverwechselbar. Wie kaum ein
anderes Volk legen die Menschen Sardiniens Wert auf genuines Essen. Ihre
Küche basiert fast ausschließlich auf den Produkten der Bauern und
Hirten. Eine geringere Rolle spielt das Meer.
Vorherrschend sind einfache, rustikale Gerichte, verwendet werden oft
Kräuter und Gewürze aus dem Vorrat der Natur: Safran, gewonnen aus den
getrockneten gelb-roten Blütennarben kultivierter Krokusarten, Rosmarin,
Thymian und Lorbeer; sie wachsen vielerorts wild in der Macchia. Die
Minze und andere. Der Mirto, ein Likör, der nach einem deftigen Essen,
etwa nach Spanferkel, nicht fehlen darf, wird aus den schwarzen Beeren
der Myrte hergestellt. Ihn gibt es nur auf Sardinien.
Bekannt ist das Brot der Insel, am bekanntesten das "pane carasau", das
Brot der Hirten der Barbagia rund um Nuoro: hauchdünn der Teig, knusprig
gebacken. Die Hirten nahmen einen Vorrat davon mit, wenn sie Tage,
Wochen, draußen bei ihren Herden sein mussten; es verdarb nicht. Andere
charakteristische Brote sind "su civraxiu", große Laibe, und "su
coccoi", mit traditionellen Mustern verziert.
Zwischendurch ein Wort zu den Namen – wir nennen die sardischen Namen
der Speisen und Getränke. Wer sich näher mit Sardinien beschäftigt,
weiß, dass auf der Insel mehrere Sprachen und Dialekte gesprochen
werden. Das Sardische herrscht jedoch vor.
Kommen wir zu den Vorspeisen. "Coccoi de sartizzu" wird aufgetragen, an
der Luft getrocknete Wurst, dünn geschnitten. Sardischer Schinken, der
dem aus Parma kaum nachsteht, vielerorts auch Schinken vom Wildschwein.
Dazu Oliven, eingelegt in eine Lauge mit Salz und Samen vom wilden
Fenchel. Oder schwarze Oliven aus einer einfachen Salzlake: sie werden
angemacht mit Öl, Knoblauch, gehackter Petersilie und wenigen Tropfen
Essig.
Unter den – selteneren - Vorspeisen aus dem Meer stellt die "bottarga"
eine Köstlichkeit dar, „sardischer Kaviar“ genannt. Es handelt sich um
die Eier vom Thunfisch, besser noch von der Meeräsche, gepresst, mit
Salz bestreut und getrocknet. Die "bottarga" wird in dünnen Scheiben
serviert, mit Olivenöl beträufelt. Andere Spezialitäten sind "sa
burrida", der Katzenhai, und die Meeresmuscheln.
Den Vorspeisen folgen für gewöhnlich Nudelgerichte, etwa "is
angiulottus" oder "culingionis", Ravioli gefüllt mit frischem Schafskäse
(oder Ricotta), Spinat und Safran. In der Gallura im Nordosten der Insel
gibt es an Festen die "Zuppa Gallurese", ehemals das Festtagsessen der
armen Bevölkerung, heute die Spezialität schlechthin, eine Art Auflauf
aus Fladenbrot, geriebenem Pecorino, Pfeffer und Petersilie, in Lagen
geschichtet und schließlich mit Fleischbrühe übergossen. Die Männer
beherrschen die Kunst, die “Zuppa Gallurese” in großen Kesseln
zuzubereiten; sie darf nirgendwo trocken, nirgendwo pampig sein.
Gehen wir zum Hauptgericht über. Typisch sind auf Sardinien das
Spanferkel aus dem Holzbackofen und das gebackene Lamm. Wer neugierig
ist, darf die Spezialitäten probieren, zu denen die Innereien verwendet
werden. Etwa die „tratalia“: Leber, Lunge, Herz und andere Innereien des
Lamms werden auf einen Spieß gesteckt und überm offenen Feuer gebraten.
Oder die „cordula“: der Magen und die Kutteln des Lamms,
zusammengehalten von Därmen, werden gekocht mit Erbsen in Tomatensoße.
Selbstverständlich gibt es, je nach Landstrich, als Hauptgericht auch
Fischsuppe “ziminu”, “sa cassola”) oder gebackenen Fisch. Meeräsche,
Seebarbe, Aal, Goldbrasse werden mit einer Mischung aus Öl, Knoblauch
und Essig gewürzt und gebacken, der Wolfsbarsch hingegen gekocht und mit
Öl und Zitrone serviert. Nicht zu vergessen die Languste, gekocht oder
gegrillt.
Auf den sardischen Käse hinzuweisen, dürfen und wollen wir nicht
vergessen, vor allem auf den Pecorino, den Schafskäse; verschieden lang
gereift, von mild bis pikant. Zu nennen wären weiterhin der "dolce
sardo", der „proveletta“, der "provola", geräuchert, und der „ricotta“,
eher eine Art Quark, frisch oder gesalzen.
Zahlreich sind die sardischen Süßigkeiten. Die am häufigsten gebrauchten
Zutaten sind Mandeln, Frischkäse, Safran, Honig und als Zierart die
"traggera", kleine Zuckermandeln in vielen Farben. Dazuhin wäre Saba zu
nennen; die Sarden sprechen von "gekochtem Wein", eine Art Sirup, der
entsteht, wenn Traubensaft Stunde um Stunde unter ständigem Rühren
gekocht wird; schon die Römer haben Saba zum Süßen von Speisen gekannt.
Die Sarden verwenden es für das "pan'e saba" (oder "sapa"). Im Karneval
gibt es "zipulas" (in Fett Gebackenes) oder "candelaus", Teigtäschchen,
mit einer Füllung aus geriebenen Mandeln. Schließlich die
"amarettus" (klassische Makronen mit Bittermandeln) und die "sebada oder
seada" (mit Käse gefüllte Teigtaschen, die nach dem Backen mit Honig
überzogen werden).
Eine große Auswahl an Weinen bereichert die sardische Küche, sei es der
Rote (Cannonau, Monica, Campidano), sei es der Weiße (Nuragus,
Vermentino, Aragosta). Als Aperitif wird gern Malvasia oder Moscato
kredenzt.
- Wir denken, wir haben Ihnen die sardische Küche nahegebracht. Und nun
möchten wir Sie bitten: genießen Sie!